22.09.2010

Spezialitäten fest im Griff

Das Hamburger Handelshaus Lehmann & Voss & Co. KG hat mit Hilfe moderner Planungs- und Dispositionsprozesse Transparenz und Flexibilität in die Beschaffungslogistik gebracht. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die Bestände wurden signifikant reduziert - bei gleichbleibend hoher Lieferfähigkeit.

Ruß, Magnesia, Harze und Tenside, Reibungsminderer, Farbzusätze und Mikroperlen. Im Sortiment der Lehmann & Voss & Co. KG aus Hamburg finden sich mehr als 11.000 chemische und mineralische Produkte. Aus dem Rohmaterial verarbeiten die Hanseaten einen Teil zu maßgeschneiderten Werkstoffen weiter. Die Erzeugnisse finden sich in Medikamenten, Kosmetika, Lebensmitteln, Autos oder Druckfarben. Angesichts des breitgefächerten Produktportfolios ist es für Lehmann & Voss essenziell, schnell auf Absatzschwankungen reagieren zu können. Denn die weltweite Wirtschaftskrise hat gezeigt: Plötzliche Auftragseinbrüche verbunden mit langen Lieferzeiten führen rasch zu hohen Lagerbeständen, die teures Kapital binden. Das Handelshaus wollte daher die Bestände nachhaltig verringern, ohne jedoch dabei die termingerechte Belieferung seiner etwa 8.000 Kunden zu gefährden.

SPIRIT (Sustained Process Improvement and Reduction of Inventory Targets) - unter diesem Projektnamen hat Lehmann & Voss, unterstützt durch J&M, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess implementiert und eine integrierte Planung in SAP ERP etabliert. Zunächst ging es jedoch darum, den 'Supply Chain-Spirit' in den Köpfen der Disponenten zu verankern: Weg von der Mentalität, Materialien günstig auf Vorrat einzukaufen, hin zu Beständen, die am Bedarf orientiert sind. Hierbei helfen sogenannte Hot-Stock-Listen für Materialien, die lange im Lager liegen, weil sie die dadurch verursachte Kapitalbindung verdeutlichen. 

Damit Lehmann & Voss künftig fundierter planen kann, wurde das Produktportfolio der zehn Geschäftsbereiche anhand der Absatzmenge und der Bedarfsschwankung segmentiert. Für jedes Segment definierte J&M Dispositionsstrategien, die eine hohe Lieferbereitschaft bei minimaler Kapitalbindung sicherstellen. Beispielsweise disponiert Lehmann & Voss absatzstarke Artikel plangesteuert auf Basis der statistischen Prognose und hält sie im Gegensatz zu den nur selten und in kleinen Mengen nachgefragten Artikeln auch vorrätig. Zudem errechnete J&M für jedes Produkt das optimale Sicherheits- und Meldebestandsniveau und überprüft und aktualisiert diese Werte während der gesamten Projektlaufzeit kontinuierlich.

Die flexible Planung schafft spürbare Vorteile auf mehreren Ebenen. Standardisierte und integrierte Planungsprozesse senken die Kosten und verbessern die Transparenz über die gesamte Logistikkette hinweg. Der Einkauf kennt die vom Vertrieb erwarteten Absätze und kann zielgenau planen. Die Auslandsgesellschaften greifen auf die Bestände des Mutterhauses zu und reduzieren dort die Kapitalbindung, anstatt die Materialien neu zu beschaffen. 

Für die Planer hat sich der Aufwand deutlich verringert: Statt lange Excel-Listen zu durchsuchen, genügen jetzt wenige Mausklicks um solide Entscheidungen zu treffen. Die Lösung stellt dem Disponenten in einem Cockpit alle Informationen zur Verfügung, die er für eine fundierte Planung benötigt: neben der Absatzprognose und den aktuellen Beständen und Reichweiten auch die historischen Absätze und die geplanten Bestelleingänge. Halbautomatische Distributionsprozesse für gängige Materialien schaffen Freiraum, um strategisch wichtige Produkte zu planen. Anhand eines kontinuierlichen Bestandsmonitorings überprüft und optimiert Lehmann & Voss die Dispositionsparameter. Problemfälle wie ‘Lagerhüter‘ werden leicht erkannt und eliminiert. 

Die Projektergebnisse können sich sehen lassen: „Dank der verbesserten Datenqualität und Prognosegenauigkeit können wir marktnah disponieren und produzieren. Bereits jetzt haben wir die Bestände und die Kapitalbindung bei gleichbleibendem Servicegrad nachhaltig reduziert", stellt Oliver Pfeiffer, Leiter Geschäftsbereich Filtration von Lehmann & Voss zufrieden fest.

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